Glühen unter Schutzgas und Vakuum

Wir führen Glühbehandlungen ausschließlich unter Schutzgasen oder im Vakuum durch. Der entscheidende Vorteil hierbei ist, dass durch die Sauerstoff freien Atmosphären Oxidationen an den Bauteiloberflächen zuverlässig unterbunden werden. Das Ergebnis sind metallisch blanke Werkstücke ohne Zunderbildung oder Anlauffarben. Nachgelagerte Prozessschritte wie Beizen oder Strahlen sind nicht erforderlich, was den Fertigungsaufwand reduziert und die Prozesssicherheit erhöht

Ob Einzelteil, Schüttgut oder Serie: Wir stellen die mechanischen Eigenschaften gezielt ein. Unsere Computer gesteuerten Anlagen garantieren dabei reproduzierbare Prozessabläufe und dokumentierte Chargenparameter für höchste Qualitätsanforderungen.

Die passende Lösung

Schüttung blank geglühter zylindrischer Metallhülsen nach der Wärmebehandlung
Automobilindustrie
Schlauchhülsen
Gestapelte blank geglühte Metallrohre nach Wärmebehandlung, Stirnseite mit runden Rohrquerschnitten
Maschinen- & Anlagenbau
Rohrleitungen
Haufen metallisch glänzender Stahl-Stanzteile nach der Vergütung in der Wärmebehandlung
Elektrotechnik
Kontaktfedern
Reihen geglühter Metalltöpfe mit silbrig glänzender Oberfläche nach dem Glühen in der Wärmebehandlung
Umformtechnik
Gehäuse

Glühverfahren

Wir bieten verschiedene Glühverfahren an, um die Eigenschaften Ihrer Werkstoffe gezielt einzustellen.

Anlagentechnik

Die Wärmebehandlungen können bei uns in Schutzgasdurchlauföfen oder in Vakuumöfen durchgeführt werden.

 

Unsere fünf Schutzgasdurchlauföfen unterscheiden sich in der Nutzbreite der Ofenbänder sowie in den vorhandenen Schutzgasatmosphären. Für unlegierte Stähle kommen EXO-Gasatmosphären zum Einsatz. Für legierte Stähle und Edelstähle laufen unsere Öfen unter  Stickstoff-Wasserstoff-Gemischen. In den Schutzgasdurchlauföfen können Bauteile bis zu einer Dimension von 600 mm Breite und 185 mm Höhe behandelt werden.

 

In unseren Vakuumöfen, von denen wir fünf verschiedene mit unterschiedlichen Baugrößen im Einsatz haben, wird der Sauerstoff mit Hilfe von Vakuumpumpen aus den Ofenkammern gepumpt. Hier klassifizieren wir mit Fein- und Hochvakuum zwischen zwei Atmosphären die abhängig vom Werkstoff eingesetzt werden. Im Hochvakuum ist der Restsauerstoffgehalt um mehrere Größenordnungen reduziert. Oxidationsreaktionen werden dadurch praktisch unterbunden, was zu metallisch blanken, zunderfreien Oberflächen führt.

 

Unser größter Vakuumofen hat eine Kammergröße von 2.000 mm x 900 mm x 900 mm und kann unter Hochvakuum gefahren werden. Das max. Chargengewicht liegt bei ca. 1.300 kg.

 

Aufgrund der vorhandenen Vielzahl an unterschiedlichen Ofenanlagen sind wir in der Lage, Ihnen für Ihre Bauteile das technisch sinnvollste und wirtschaftlich beste Angebot zu unterbreiten. Durch eine gemeinsame Abstimmung und unkomplizierte Versuche erreichen wir schnell das von Ihnen gewünschte Ergebnis.

Unsere Glühverfahren

01
Spannungsarmglühen

Beim Spannungsarmglühen wird der Werkstoff auf eine vergleichsweise niedrige Temperatur unterhalb der Rekristallisationstemperatur erhitzt. Ziel ist der Abbau innerer Spannungen, ohne das Gefüge wesentlich zu verändern. Diese Spannungen entstehen häufig durch Schweißen, Gießen oder mechanische Bearbeitung. Durch das Verfahren wird das Risiko von Verzug oder Rissbildung reduziert. Die mechanischen Eigenschaften wie Festigkeit und Härte bleiben dabei weitgehend erhalten.

02
Weichglühen

Das Weichglühen erfolgt bei Temperaturen knapp unterhalb der Austenitisierungstemperatur und mit langsamer Abkühlung. Ziel ist die Reduzierung der Härte und die Verbesserung der Zerspanbarkeit. Dabei wird das Gefüge so verändert, dass sich kugelförmiger Zementit bildet. Dies führt zu einer deutlichen Verringerung des Widerstands gegen plastische Verformung. Weichglühen wird häufig bei hochkohlenstoffhaltigen Stählen vor der Bearbeitung eingesetzt.

03
Normalglühen

Beim Normalglühen (Normalisieren) wird Stahl auf eine Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur erhitzt und anschließend an ruhender Luft abgekühlt. Ziel ist ein feinkörniges, homogenes Gefüge mit verbesserten mechanischen Eigenschaften. Durch das Verfahren werden Gefügeinhomogenitäten, wie sie z. B. nach dem Gießen oder Schmieden auftreten, beseitigt. Das Ergebnis ist eine gleichmäßige Verteilung von Ferrit und Perlit. Normalglühen dient oft als vorbereitender Prozess für weitere Wärmebehandlungen.

04
Rekristallisationsglühen

Beim Rekristallisationsglühen wird ein kaltverformter Werkstoff auf eine Temperatur oberhalb der Rekristallisationstemperatur erhitzt. Ziel ist die Neubildung von spannungsfreien, gleichmäßigen Kristallkörnern. Dadurch werden die durch Kaltverformung entstandenen Versetzungen und Eigenspannungen abgebaut. Die Festigkeit nimmt ab, während die Duktilität und Umformbarkeit deutlich zunehmen. Dieses Verfahren wird häufig bei Metallen eingesetzt, die weiterverarbeitet oder erneut umgeformt werden sollen.

05
Remanenzglühen

Das Remanenzglühen ist ein Wärmebehandlungsverfahren zur gezielten Reduzierung oder Einstellung der magnetischen Restmagnetisierung (Remanenz) ferromagnetischer Werkstoffe. Dabei werden die Bauteile auf eine definierte Temperatur unterhalb der Curie-Temperatur erwärmt und unter kontrollierten Bedingungen wieder abgekühlt. Durch diesen Prozess wird die magnetische Gefügestruktur im Material neu ausgerichtet, wodurch unerwünschte magnetische Restfelder minimiert werden. Das Verfahren wird insbesondere bei Präzisionsbauteilen eingesetzt, bei denen Restmagnetismus zu Funktionsstörungen führen kann. Remanenzglühen verbessert somit die elektromagnetische Neutralität und erhöht die Prozess- und Bauteilsicherheit in nachgelagerten Anwendungen.

Erfahrung schafft Vertrauen

01
Spezifische Komplettlösungen

Wir bearbeiten nicht nur Standardaufgaben Unsere Expertise ist umfangreich (z.B.  Glühen von additiv gefertigten Bauteilen, Metallpulvern oder anspruchsvollen Kupferkontakten) und ermöglicht es uns, auch für besondere Aufgabenstellungen oder Anforderungen eine Lösung anzubieten.

Neben der eigentlichen Wärmebehandlung spielt auch der Chargenaufbau und die Nutzung der richtigen Chargierhilfsmittel eine wichtige Rolle.  Geometrieabweichungen können so sicher vermieden werden.

Nach dem Ofen kommt die Verpackung, auch diese ist spezifisch abzustimmen und an die Erfordernisse anzupassen.

Wir sehen und bewerten den gesamten Prozess und bieten Ihnen so ein Maximum an Prozesssicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit.

02
Qualität in allen Prozessen

Qualität nicht nur im Ofen! Es beginnt für uns mit Ihrem Auftrag und der Anlieferung Ihrer Bauteile. Dann werden unsere Abteilungen: Auftragsbearbeitung,  Logistik, Arbeitsvorbereitung, Produktion und QS für Sie aktiv. Unsere Ablauforganisation sorgt für einen reibungslosen Durchlauf und eine termingerechte Fertigstellung.

Benötigen Sie Unterlagen zu Ihren Bauteilen die über den Lieferschein hinaus gehen? Auf Wunsch erhalten Sie z.B. Glühprotokolle (Temperatur-Zeit-Diagramme) und Härteprüfergebnisse (vor/nach der Behandlung), um die geforderten Eigenschaften nachzuweisen.

03
Kommunikation und Service

Als serviceorientiertes Unternehmen verbinden wir hohe technische Beratungskompetenz mit ausgeprägter Erreichbarkeit.

Wir legen großen Wert auf eine offene, partnerschaftliche und transparente Kommunikation. Schnelle Reaktionszeiten und ein fundierter fachlicher Austausch ermöglichen eine effiziente, zielgerichtete Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Unsere Angebote sind übersichtlich aufgebaut, technisch präzise formuliert und konsequent auf Ihre spezifischen Anforderungen zugeschnitten.

Geregelter Ablauf für Ihre Bauteile

Wareneingang & Prüfung

Identifikation der Werkstoffe und Prüfung der Anforderungen (Soll-Härte, Glühvorschrift).

Chargieren & Waschen

Fachgerechte Reinigung (falls nötig) und Setzen der Bauteile, um Verzug durch Eigengewicht zu vermeiden und eine gleichmäßige Durchwärmung zu sichern.

Wärmebehandlung

Fahren des definierten Temperaturprofils unter Vakuum oder Schutzgas.

Qualitätskontrolle

Überprüfung der Ergebnisse durch Härtemessung (HRC, HV, HB) oder metallografische Untersuchungen (bei Bedarf extern).

Verpackung & Versand

Sicherer Rückversand der blanken Teile, geschützt vor Korrosion und Beschädigung.

Häufige Fragen zum Glühen

Warum Glühen unter Vakuum/Schutzgas?

Trotz einer Wärmebehandlung soll eine saubere Bauteiloberfläche erhalten bleiben? Dann müssen wir auf den Sauerstoff schauen und diesen bei der Wärmebehandlung ausschließen. Wir erreichen dies durch den Einsatz unserer Schutzgas- Durchlauföfen und unserer Vakuumöfen. In beiden Anlagentypen kann durch Sauerstoffausschluss eine Oxidation der Oberfläche sicher verhindert werden. Die Oberflächen bleiben blank und zeigen auch keine Verfärbungen. Eine direkte Weiterverarbeitung wird dadurch möglich gemacht.

Können Sie 3D-Druck-Bauteile behandeln?

 Ja, 3D Druckteile aus Metall können  behandelt werden. Auch diese bestehen aus spezifischen Metallpulvern. Lediglich die Dichte und Homogenität unterscheidet  sich von gegossenen oder umgeformten Bauteilen. Wärmebehandlungen tragen sogar dazu bei, die mechanischen Eigenschaften von gedruckten Bauteilen signifikant zu verbessern.

Führen Sie Härteprüfungen durch?

 Ja, Härteprüfungen sind für uns ein wichtiges Verfahren um die Veränderung eines Werkstoffes durch die Wärmebehandlung einzuschätzen und zu klassifizieren. Wir können die Härte vor und nach der Wärmebehandlung prüfen (z. B. Rockwell, Vickers, Brinell). Die Ergebnisse zeigen uns, ob ggf. einzelne Parameter noch optimiert werden müssen. Selbst nach der Wärmebehandlung von Metallpulvern wird an diesem eine Härtemessung durchgeführt.

Was ist der Unterschied zwischen Spannungsarm- und Rekristallisationsglühen?

Der wesentliche Unterschied zwischen diesen beiden Glühverfahren ist neben den Behandlungstemperaturen der damit verfolgte Zweck. Ein Spannungsarmglühen findet immer dann statt, wenn man Eigenspannungen im Werkstück, z.B. durch eine Umformung oder durch eine mechanische Bearbeitung beseitigen möchte. Das Gefüge bleibt unverändert.

Rekristallisationsglühen hingegen beeinflusst auch das Gefüge des Werkstoffes. Es kommt zu einer Neupositionierung der Kristalle, Versetzungen werden aufgelöst und Eigenspannungen reduziert.